„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
Am 9. Januar 2010 feierte die Elisabeth-Gemeinschaft in Darmstadt ihr ein-jähriges Bestehen. Die Vereinsgründung war zwar schon im Dezember 2008 gewesen, aber die Vorweihnachtszeit sollte nicht mit dieser Feier belastet werden. So wurde sie auf den Januar 2010 verlegt.
Um 11.00 Uhr trafen sich die Hilfstruppen im Laden: Zuerst einmal beide Eingänge vom Schnee befreien und für die Besucher zugänglich machen. Dann Plätzchenteller richten, Punsch vorbereiten, Krippenbeleuchtung überprüfen, Kirchentagshocker aus dem Keller holen, Fotos bereit legen ...
Um 12.30 Uhr gab es ein gemeinsames Mittagessen bei Schwester Carmen und dann tauchten weitere Helfer auf: Herrliche Lachsröllchen wurden gebracht, Salate und Hackbraten, Brötchen wurden überbacken und kleine Brote gestrichen. Jetzt konnten die Gäste kommen und der Abholdienst in Aktion treten.
Und sie kamen – trotz der angekündigten Schnee- und Sturmvorhersagen sammelten sie sich im Laden, eine bunte Gruppe fest vermummter Gestalten.
Mit dem Kanon von den vielen kleinen Leuten begann die Feier und dann gab Schwester Sabine anhand von großen Lichtbildern einen Überblick über die Arbeit des vergangenen Jahres.
Nach einem Rückblick auf die erste Vereinsgründungsfeier am 03. Januar 2009 kamen die einzelnen Aktionen:
Zunächst einmal der Gottesdienst, in dem die Sternsinger ihre Gaben in die Kirche brachten. Die Sternsinger sind eine ökumenische Veranstaltung der kath. St. Elisabeth- und der ev. Martin-Luther-Gemeinde. Aussendungs- und Abschlussgottesdienst finden jeweils in der katholischen und der evangelischen Kirche statt. Im vergangenen Jahr war der Schlussgottesdienst in der katholischen Kirche Schwester Sabine übertragen.
Monatlich treffen sich die Schwestern zu den Konventen, die jetzt im „Laden“ stattfinden können, nachdem durch eine Spende eine Bio-Toilette eingerichtet werden konnte. Sie findet sich jetzt in einem abgeschlossen Nebenraum der Küche und ermöglicht körperlich behinderten Menschen ein problemloses Benützen. Die Konvente stehen jedes Jahr unter einem anderen Thema. Im vergangenen Jahr waren es die christlichen Symbole.
Eine besondere Sache war das Compassion-Projekt: SchülerInnen der Edith-Stein-Schule konnten einige Tage in sozialen Arbeitsbereichen schnuppern und wurden von Mitgliedern der Elisabeth-Gemeinschaft dabei begleitet, eine reizvolle und lohnende Aufgabe.
Eine gute Resonanz fand das Seminar „Liturgische Präsenz“ mit Pfarrerin Monika Kreutz: Die TeilnehmerInnen konnten überdenken und üben, wie in Gottesdiensten, Andachten und bei anderen Gelegenheiten im kirchlichen Raum Worte und Bewegungen übereinstimmen; wie man vor einer Gruppe redet und wie Sprache und Betonung verbessert werden können. Dieser Kurs fand zweimal statt und im kommenden Jahr wird es einen Aufbaukurs geben.
Immer wieder wurde nach Singnachmittagen gefragt. Wir boten sie dreimal im Jahr an und sie wurden sehr gerne angenommen: Mit Herzenslust besangen wir Frühling und Sommer und natürlich gab es ein Weihnachtssingen.
Auch Kontakte mit auswärtigen Gemeinden wurden gepflegt. So kamen Frauengruppen aus Dudenhofen und Gundernhausen in den Laden zu Besuch, interessierten sich sehr für die Arbeit der Elisabeth-Gemeinschaft und umgekehrt predigte Schwester Sabine in den dortigen Gottesdiensten. Eine jährlich wiederkehrende Aktion sind die gemeinsamen Rüstzeiten der Gemeinschaften aus Darmstadt, Görlitz und Dessau. Jedes Jahr richtet eine andere Gemeinschaft diese Tage aus. 2009 stand sie unter dem Thema:
„Diakonische Gemeinschaft – Geschenk – ZuMutung. Warum Diakonische Gemeinschaften wichtig sind“.
Dieser Arbeit lag ein Heft aus dem VEDD zugrunde.
Auch bei der „Nacht der Kirchen“ war die Elisabeth-Gemeinschaft beteiligt. Wir boten im Laden einen „Pausen- und Ruheraum“ an und hatten gute Gespräche.
Beim Sterntreffen in Speyer konnten die Schwestern selbst wieder auftanken und genossen den Austausch mit Mitschwestern aus anderen Mutterhäusern. Besuch im Laden machte auch Dekan Mander mit Pfarrer Thonipara,
und in Dudenhofen fand im Juli um abends ein Gottesdienst mit anschließendem Grillen statt. Wichtig erscheint die Nachbarschaftspflege im Haus. Hier ergeben sich von Anfang an Schwierigkeiten, weil die Gemeinschaft kirchlich arbeitet: „Wir sind hier doch nicht in der Kirche!“ Am 1. Advent wurde beim Adventsfrühstück „Macht hoch die Tür...“ gesungen. Das hatte zur Folge, dass ein Schreiben von der
Hausverwaltung kam, man solle an Sonntagen nicht schon morgens singen. Ein besonderes Erlebnis war für drei Schwestern die DIAKONIA-Konferenz in Atlanta. „Kreuzwege der Gnade. Wiederaufleben und Versöhnen.“
Bei vielen Gelegenheiten und in vielen verschiedenen Gruppen konnten diese Erlebnisse weiter gegeben werden. Bei einer Gemeindeveranstaltung konnte sich die Elisabeth-Gemeinschaft den Mitgliedern der Kirchengemeinde vorstellen und fand reges Interesse. Von der Elisabeth-Gemeinschaft wurde auch die Veranstaltung „Diakonia regional“ ausgerichtet, die diesmal in Frankfurt bei den methodistischen Diakonissen stattfand. Im September beim „Martinskerbumzug“ (Kirchweihumzug der Martin-Luther-Gemeinde) waren die Vereinsmitglieder durch ein Schild und regenbogenfarbene Schals deutlich erkennbar. Der „Tag der Gemeinschaft“ stand in diesem Jahr unter dem Thema „Von-einander wissen, für-einander beten, mit-einander handeln.“ Sehr liebevoll vorbereitet war das 25-jährige Jubiläum von Schwester Carmen Hölzlein. Es fand am Tag der Diakonie in der Martinskirche statt. Eine Bekümmernis gab es aber dabei: Es war in diesem Jahr nicht gelungen, das Einsegnungsjubiläum gemeinsam mit den Diakonissen zu feiern. Der Nachmittag war geprägt von einem goldenen Bilderrahmen, mit dessen Hilfe jeder über besondere Begegnungen mit Schwester Carmen berichten konnte. Am Tag der Vereine im Darmstadtium war die Elisabeth-Gemeinschaft mit einem Stand und mit einer Powerpoint-Darstellung vertreten. Es gab viele intensive Gespräche. In einem Seniorennachmittag in der Stadtmission wurde über die DIAKONIA-Konferenz berichtet und und bei der Friedensdekade fanden täglich Friedensgebete im Laden statt.
Etwas ganz Besonderes war das Martinsessen. Voriges Jahr noch als kleiner Anfang im Laden versucht, war es diesmal im größeren Rahmen unter der Schirmherrschaft von Stadtrat Partsch im Gemeindesaal geplant und fand regen Zuspruch. Eingeladen waren alle, die Hunger haben – nach Gemeinschaft, nach Geborgenheit, nach Liebe ... – natürlich auch nach Nahrung. Mit den (angemeldeten) TeilnehmerInnen kochte eine extra gebetene Köchin (Frau Zschitschick) mit einer Mann-/Frauschaft das Menü: Kartoffeln wurden geschält, Salate geputzt .... Mit großer Begeisterung war der Küchentrupp bei der Sache und auch der Köchin machte es sichtlich Spaß. Eine andere Teilnehmergruppe deckte inzwischen die Tische und schmückte sie. Zwei sich zufällig bei dieser Gelegenheit treffende Klavierspieler gaben dem Ganzen einen besonderen Pfiff. Viele waren dann auch noch bis zuletzt beim Aufräumen dabei.
In der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Krankenhauses in Schlitz informierten sich Mitglieder der Elisabeth-Gemeinschaft über die frühere Arbeit der Diakonissen aus dem
Elisabethen-Stift und bekamen einen Einblick in vergangene Zeiten.
Bei einem Frauengottesdienst in der Martinskirche war die Gemeinschaft beteiligt und am Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder im Ökumenischen Zentrum in Kranichstein hatte sie ihren Platz.
Mit einer Mahnwache zum Weltklimagipfel beteiligten sich Mitglieder der Elisabeth-Gemeinschaft am aktuellen politischen Geschehen. Auch beim Adventsfrühstück und beim Adventskaffeetrinken am Nachmittag kamen manche Menschen der Umgebung, die sich sonst einsam gefühlt hätten und freuten sich am Miteinander und am Singen. Am Heiligen
Abend trafen sich wieder viele zu Kartoffelsalat und Wienerle, zum gemeinsamen Singen und Gespräch. Die letzte Aktion im Jahr 2009 war dann das Weihnachtssingen am 27. Dezember. Inzwischen ist schon klar, wer zu solchen Terminen eingeladen werden möchte und es kommen auch immer wieder neue Teilnehmer dazu, die mal „schnuppern“ wollen.Der Ausendungsgottesdienst der Sternsinger, den Schwester Sabine am 6. Januar 2010 in der Martinskirche zu Gestalten hatte, beendet das Berichtsjahr.
Weitere Aktivitäten der Elisabeth-Gemeinschaft sind die monatlichen Taizè-Gottesdienste, das oft intensive Begleiten einzelner Menschen, die vielen Telefongespräche und direkten Gespräche im Laden, das Abholen eines geistig behinderten Konfirmanden zum Gottesdienst, um die Mutter zu entlasten, die postalische Arbeit: Versand von Geburtstags- und Weihnachtsgrüßen, Versand von Fasten- und Adventskalender, Versand von Losungen und Infobriefe. Vieles davon geht nicht nur an die Mitglieder der Elisabeth-Gemeinschaft.
Offiziell besetzt ist unser Laden an vier Vor-bzw. Nachmittagen in der Woche. Dabei fällt zunehmend auf, wie groß der Gesprächsbedarf der Menschen ist. Viele kommen nur herein, um einfach einmal eine Weile von sich zu erzählen und jemanden zu haben, der ihnen zuhört. Außerhalb dieser Zeiten kann jeder Termine vereinbaren.
Ansonsten ist Schwester Sabine im Kirchenvorstand aktiv, Schwester Thea im Dekanatsdiakonieausschuss und Schwester Karin bei der Mitarbeit in der ACK, Sr. Carmen in der Stadtmission und bei der Gestaltung von Gottesdiensten in der Martin-Luther-Gemeinde.
Das Jahr 2009 brachte der Elisabeth-Gemeinschaft auch ein neues Logo. Bisher wurde ja übergangsweise die Kaiserswerther Taube verwendet. Das neue Logo ist die Arbeit der Künstlerin Hanne Junghans und sieht so aus:
Als Ursprung des Kreuz und auf vielen Wegen wieder die Rückkehr zum Kreuz. So wollen wir
leben, so wollen wir unseren Dienst tun.
Laudate omnes gentes .... klang es nach diesem Bericht mit kräftigen Frauen- und Männerstimmen und dann kamen die vielen guten Sachen zu ihrem Recht. In einer ungezwungenen, fröhlichen Atmosphäre ergaben sich viele Gespräche; neue Bekanntschaften wurden geschlossen und am Ende fand sich noch eine kleine Gruppe zum Singen und schließlich Aufräumen zusammen. Um 14.00 Uhr waren die ersten Gäste gekommen, Gegen 20.00 Uhr löschten wir die Lichter.
Unser letztes Lied war der Vers:
„Das bitten wir dich früh und spät,
erhör, Herr Christus, das Gebet!
Komm wieder, Herr der Herrlichkeit,
Brich an, du Tag der Ewigkeit!!
Gerhard Fritzsche
Auf diese Ewigkeit gehen wir zu. Im Blick auf diesen Herrn wollen wir unseren Dienst tun.
Die Tageslosung für den 09. Januar:
„Gott, der HERR, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer,
die versammelt sind, sammeln.“
Schwester Hildegard Klein schrieb sie uns zur Jahresfeier.
Auf diesem Hintergrund bitten wir um den Segen Gottes, der auch sichtbar wird, wenn Menschen mit uns gehen, Menschen uns begleiten, Menschen
helfen, dass der Weg der Elisabeth-Gemeinschaft weiter geht.
Sr. Sabine Langenfaß
Vorstandsvorsitzende





